Evangelische Johannes-Kirchengemeinde Lüdenscheid
Andachten und Gottesdienste
In der Zeit, in der unsere Kirche geschlossen bleibt und keine Veranstaltungen stattfinden können, bieten wir Ihnen hier tägliche kleine Andachten und auch Gottesdienste, teils als Video, teils als Text, an. Wählen sie den Beitrag zum Tag auf der linken Seite aus, der dann rechts angezeigt wird.
Bleiben Sie behütet und gesund!
mbba: „Ich will Dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den Du gehen sollst“ (Psalm 32,8) lautet die Losung für den heutigen Tag.
Welch eine Zusage, die uns auch in schwierigen Zeiten Zuversicht geben kann!
Welch eine Zumutung an uns Menschen, dass wir göttliche „Unterweisung“ benötigen?
Oder welch eine Chance, dass uns der Weg gezeigt wird, den wir gehen sollen?

mi: Ja, alles drei: Dass Gott den Weg für uns weiß, ist Zusage, Zumutung und Chance zugleich. Dieses Psalmwort ist damit ein herrliches Beispiel von der ausgleichenden Kraft von Glaube insgesamt. Drohe ich den Weg zu verlieren, steht die Zusage, dass Gott den Weg zeigen wird. Drohe ich übermütig zu werden, erinnert er daran, dass Gott es ist, der den Weg für uns kennt – nicht wir selbst. Und nicht zuletzt ist Glaube auch eine riesen Chance, was allerdings nur diejenigen nachvollziehen können, die sie nutzen.

mbba: Ich staune, wie Du mit meiner Fragestellung umgegangen bist. Deine Ausführungen klingen so leichtfüßig, dass ich mich sofort an den jungen Mann in Lukas 9,57 erinnert fühlte, der – voller Begeisterung – zu Jesus sagte: "Ich bin bereit, Dir überallhin zu folgen“, dann aber hören musste: "Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihr Nest; aber der Menschensohn hat keinen Platz, wo er sich hinlegen und ausruhen kann.“ So einfach ist das mit der Nachfolge also gar nicht! – Und wie ist das heute?

Ist erst ein Corona-Virus erforderlich, um uns Menschen vor Augen zu führen, wie zerbrechlich das Kartenhaus unseres materiellen Wohlstands in Wirklichkeit ist? – Oder schaffen wir es, die Lektionen der Unterweisung, die Gott uns angedeihen lässt, zu beherzigen?

Der Indianer-Häuptling Seattle hat es schon im Jahre 1854 treffend ausgedrückt, als er sagte: „Wir wissen, dass der Weiße Mann unsere Art nicht versteht. … Die Erde ist nicht sein Bruder, sondern sein Feind. … Sein Hunger wird die Erde verzehren und er wird nur eine Wüste hinter sich lassen.“

Gott will diese Erde gewiss nicht vernichten, sondern bewahren, aber dazu müssten wir Menschen aufhören, die Erde (Gottes Geschenk) als „Feind" zu behandeln, sonst wird er uns wohl noch einige herbe Lektionen erteilen.

mi: Ganz klar, Krisen verändern den Blick aufs Leben – auch auf Schieflagen. Das gilt für kollektive Krisen, wie wir sie gerade erleben, aber auch für individuelle Krisen, die Menschen im Leben durchmachen müssen: Nach einer Krise bist du nicht mehr der/die gleiche, wie vorher. Das wird auch für unsere Gesellschaft und unsere Kirche nach der Coronakrise gelten. Aber ich glaube weder, dass Gott Krisen schickt, um „Lektionen zu erteilen“, noch dass wir eine Coronakrise bräuchten, um den Zusammenhang von Wirtschaft, Umwelt und sozialer Gerechtigkeit zu erkennen. Den kannten wir schon vorher. Und ehrlich gesagt bezweifle ich auch, dass durch die Coronakrise gerade in diesem Punkt nun ein kollektives Umdenken einsetzt. Zuversichtlich macht mich nicht die Vernunft des Menschen, sondern die Zusage Gottes in der Tageslosung, dass er seiner Kirche und seinen Kindern einen Weg zeigen wird.

mbba: Ich glaube, zuversichtlich können wir dann sein, wenn wir diese göttliche „Unterweisung“ nicht als Zumutung, sondern als Chance sehen!

mi: Ich bleibe dabei, dass Glaube je nach Situation von allem etwas beinhaltet: Zusage, Zumutung und Chance.