Evangelische Johannes-Kirchengemeinde Lüdenscheid
Andachten und Gottesdienste
In der Zeit, in der unsere Kirche geschlossen bleibt und keine Veranstaltungen stattfinden können, bieten wir Ihnen hier tägliche kleine Andachten und auch Gottesdienste, teils als Video, teils als Text, an. Wählen sie den Beitrag zum Tag auf der linken Seite aus, der dann rechts angezeigt wird.
Bleiben Sie behütet und gesund!
Allezeit fröhlich!

Lehrtext für Mittwoch, den 15. April 2020: „Paulus schreibt: In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben“ (2Kor 6,4.10)

„Das macht man so.“
Kennen Sie diesen Satz? Es gibt kein Gesetz, das es vorschreibt. So richtig begründen kann man es auch nicht. Aber trotzdem: „Das macht man so.“ Die Worte des heutigen Lehrtextes kommen etwas aus dem Zusammenhang. Paulus beschreibt, wie Christen sich verhalten (sollen): „Wir geben niemandem Anstoß, damit unser Dienst nicht in Verruf kommt.“ (2Kor 6,3). Dann beschreibt der Apostel, dass man sich als Christ/in in allen Lebenslagen „dem Glauben gemäß“ verhält. Es war in der antiken Welt nicht üblich, dass ein Gott das Leben eines Menschen so umfangreich bestimmt hat. Die antiken Götter rief man vielmehr an, wenn man in einer konkreten Situation Unterstützung brauchte. Dann opferte man ihnen, um dafür etwas zu bekommen - z.B. eine gute Ernte, Gesundheit oder die heile Rückkehr von einer (See)reise. Nach diesem Deal war man mit dem jeweiligen Gott wieder quitt. Die antiken griechischen und römischen Götter kümmerten sich nicht um das restliche Leben der Menschen, es sei denn, dass sie ihnen etwas schuldig waren. Beim Gott Israels - „unserem Gott“ - ist das anders. Wenn man sich auf ihn einlässt, bestimmt er das ganze Leben. Und auf einmal gibt es Dinge, die „man macht“, ohne dass uns ein Gesetz oder eine Konsequenz dazu zwänge. Zu diesen Dingen gehört für Paulus dann unter anderem „allezeit fröhlich“ zu sein. Und gerade Osterlieder schließen sich dieser Aufforderung gerne an: „Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit...“ oder „des sollen wir alle froh sein...“ (aus dem Lied „Christ ist erstanden“) Ganz sicher kannten sowohl Paulus, als auch die Texter dieser Lieder, die Schattenseiten des Lebens sehr gut. Sie haben nicht leichtfertig von „Not“, „Marter“ oder „Tod“ gesprochen. Im Gegenteil: Sie wissen genau, was zum Leben alles dazugehört. Und genau deshalb wissen sie auch, dass Leben immer auch Grund zum „fröhlich Sein“ ist. Anders als beim Deal mit einem antiken Gott, ist man mit unserem Gott nämlich niemals quitt. Er nicht mit uns und wir nicht mit ihm. Er gehört zu jeder Sekunde unseres Lebens dazu und bestimmt es - von Ostern her. Das bedeutet jederzeit Neuanfang, Freiheit und Leben. „Des solln wir alle froh sein“; als Christ/in macht man das so - und zwar aus gutem Grund.

Fröhliche Osterzeit.
Ihr Michael Siol