Evangelische Johannes-Kirchengemeinde Lüdenscheid
Andachten und Gottesdienste
In der Zeit, in der unsere Kirche geschlossen bleibt und keine Veranstaltungen stattfinden können, bieten wir Ihnen hier tägliche kleine Andachten und auch Gottesdienste, teils als Video, teils als Text, an. Wählen sie den Beitrag zum Tag auf der linken Seite aus, der dann rechts angezeigt wird.
Bleiben Sie behütet und gesund!
Nachlese

mbba: heute möchte ich nochmals auf Deine Ausführungen vom 15. Mai eingehen und zwar auf das Stichwort „Rückblick auf die Geschichte“:

Im Grunde genommen teile ich Deine Ansicht, dass wir "- gerade kirchlich -" noch viel zu wenig tun, möchte aber darauf hinweisen, dass das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Westfalen Lippe in seinem Programm für 2020 einen Kurs angeboten hatte mit dem Titel: „Wir Kinder der Kriegskinder (geboren zwischen 1950 und 1970) Was die seelischen Verletzungen der Eltern mit uns machen“. Als ich mich 2 Monate vorher anmelden wollte, hieß es schon: „Alle Plätze sind belegt. Wir führen eine Warteliste.“ Tatsächlich wurde dieser Kurs dann wegen Corona abgesagt. Hattest Du in diese Richtung gedacht?

mi: Nein, im Sinne von Bildungsangeboten findet eine Menge statt. Ich meinte konkret die Gottesdienste. Es gibt ein offizielles Buch, das „vorschreibt“, an welchen Tagen Gottesdienste gefeiert werden (können). Dieses Buch heißt Agende. Neben den „normalen Sonntagen“ finden sich darin auch alle Vorgaben für evangelische Gottesdienste an Feiertagen. Auch viele Feiertage, die wir gar nicht kennen und zu denen hier niemals tatsächlich ein Gottesdienst stattfindet, kommen darin vor, wie z.B. der Tag des Apostels Matthias am 24. Februar, oder der Gedenktag der Augsburgischen Konfession am 25. Juni, um nur zwei Beispiele aus vielen zu nennen. Für jeden Sonn- und „Feier“tag gibt es in der Agende ausgewählte Bibeltexte für Predigt und Lesung, einen vorgeschlagenen Psalm und Liedempfehlungen. Die Farbe des Altarbehangs ist dort genauso festgelegt, wie jeweils ein biblischer Tages-/Wochenspruch. Die Agende wird ab und an auch überarbeitet. Seit der letzten Überarbeitung findet sich darin - endlich! - auch ein „Gottesdienst zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar. Diesen Gottesdienst haben wir in der Johanneskirche auch direkt zweimal gefeiert. 2018 fiel er auf einen Samstag mit Abendgottesdienst, 2019 sowieso auf einen Sonntag. Wir sind nicht so weit gegangen, ihn dieses Jahr auch zusätzlich an einem Werktag anzubieten, wie dies sonst etwa zu Gründonnerstag, Reformationstag oder Buß- und Bettag üblich ist. In meinem Beitrag zum 8. Mai (Weltkriegsende in Europa) habe ich kritisiert, dass es für diesen mir wichtigen Tag nicht einmal einen Entwurf in der Agende gibt. Wenn man bedenkt, welche unbedeutenden Feiertage sonst alle mit einem Gottesdienstentwurf gewürdigt werden, finde ich das - mit Verlaub - weltfremd.

mbba: Aha, ich merke jetzt, worauf Du hinaus willst. Zum Glück stehst Du ja noch am Anfang Deiner Berufslaufbahn als Pfarrer und wirst noch viele Jahre Gelegenheit haben, die Agende in Deinem Sinne auszulegen, zu beeinflussen oder in anderen Predigten das dir Wichtige zu erwähnen.

mi: Mir ist wichtig, dass ein Gottesdienst zeitgemäß ist. Er findet immer in einer konkreten Zeit, an einem konkreten Ort statt. In einem Gottesdienst geht es immer um Schuld und um Vergebung. Es geht immer um den Blick zurück und um das nach-vorne-Schauen. Es geht darum, dass Gott trotz allem an der Welt und seinen Menschen festhält. Es geht darum, Gott „Danke“ zu sagen. Wann, wenn nicht am 27. Januar und am 8. Mai ist dafür der richtige Zeitpunkt? Wo, wenn nicht in Deutschland, ist dafür an diesen Tagen der richtige Ort?

mbba: Mir ging und geht es beim „Rückblick auf die Geschichte“ aber nicht um die Außenwirkung, sondern die Innensicht mit Fragestellungen wie: Was hat die Geschichte mit meinen Vorfahren gemacht? Was haben die erlebt? Wie sind sie damit umgegangen, was sie erlebt haben? Haben Sie ihre Erinnerungen verdrängt oder darüber gesprochen oder sogar geschrieben?

mi: ...ein schöner Bogen zurück zur Tageslosung vom 15. Mai, die danach fragte, „welch Geistes Kind“ die Väter waren. Ja, lass uns darüber im Gespräch bleiben – sei es im Gottesdienst, im Bekanntenkreis, oder in den Familien; vor allem aber: über Generationsgrenzen hinweg.