Evangelische Johannes-Kirchengemeinde Lüdenscheid
Andachten und Gottesdienste
In der Zeit, in der unsere Kirche geschlossen bleibt und keine Veranstaltungen stattfinden können, bieten wir Ihnen hier tägliche kleine Andachten und auch Gottesdienste, teils als Video, teils als Text, an. Wählen sie den Beitrag zum Tag auf der linken Seite aus, der dann rechts angezeigt wird.
Bleiben Sie behütet und gesund!
mbba: Als ich letzte Woche Deine Antwort auf meine Fragestellung gelesen habe, hatte ich den Eindruck, als ob Du mich „trösten" wolltest. Das wäre aus pädagogischer Sicht ein gut gemeinter Ansatz, aber bei meiner Fragestellung bedarf ich weniger des Trostes als der Ermunterung, weiter zu machen. Denn schon bei Jeremia (29, 11 - 14) steht ja, „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, … Denn so ihr mich von ganzen Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, …

Wenn ich Fragen stelle oder mich als Suchender bezeichne, dann aus der Sicht eines »Auditors«. Dies nicht im ursprünglichen Wortverständnis, wie es im Latein-Lexikon steht, d.h. als »Zuhörer, Schüler« sondern im modernen Wortsinne, nämlich eines wohlwollenden Fragestellers, für den die gegebenen Antworten logisch und im Zusammenhang passend sein müssen. So gesehen, wäre »logischer Weise« zu erwarten, dass Gott sich nach den fulminanten Offenbarungen wie Auferstehung, Himmelfahrt und Ausschüttung des Heiligen Geistes nicht einfach „vom Acker gemacht hat", sondern weiterhin wirkmächtig unterwegs war und ist! –
Magst Du Dich auf eine solche Betrachtungsweise / Erörterung einlassen?

mi: Diese Woche hielt ich eine Trauerfeier; seit Wochen erstmals mal wieder im geschlossenen Raum einer Kirche – in Oberbrügge. Es kamen erfreulicherweise sehr viele Leute – jedoch zu viele, als dass sie unter dem Coronaschutzkonzept alle in die Kirche gepasst hätten. Ich dachte bei mir: „Gott, wo sollen wir denn jetzt all diese Leute unterkriegen?“ In diesem Augenblick kam meine Patentante, die in der Gemeinde ehrenamtlich als Küsterin tätig ist, den Weg zur Kirche entlang. Mit der Beerdigung hatte sie eigentlich gar nichts zu tun. Sie war einfach da. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn nachdem ich meine Sorge mit ihr geteilt hatte, schloss sie kurzerhand den angrenzenden Gemeinderaum auf, bestuhlte ihn „coronagerecht“ und durch eine – im wahrsten Wortsinn - geöffnete Tür hindurch konnten alle die Trauerfeier mitfeiern. Mit zehn Minuten Verspätung haben wir angefangen und alle hatten Platz. Solche Erlebnisse sind für mich „Geistwirken heute“, in denen ich spüre, dass Gott sich keineswegs „vom Acker gemacht hat“, sondern weiter Leute dahin sendet, wo er sie braucht.

mbba: Zu unserem Dialog von letzter Woche hat uns eine Rückmeldung erreicht, ob es nicht auch sein könne, dass Gott vielleicht "auf ein Signal von uns wartet“, was im Sinne der oben zitierten Bibelstelle bei Jeremia definitiv von uns Menschen erwartet werden könnte. Also stelle ich nochmals die Frage: Machen wir uns – vielleicht gemeinsam – auf die Suche nach einer oder mehreren Antworten, die uns nicht nur „trösten“ sondern zufrieden stellen?

mi: Die Suche führt uns in der Bibel heute zum Propheten Jeremia. Jeremia wendet sich an das Volk Israel in der Zeit des babylonischen Exils – eine Zeit gefühlter Gottesferne. Der Tenor seines Briefes (Jer 29,4-23) ist knapp gesagt: „Auch fern von Gott gilt: Gutes tun; fröhlich sein; zuversichtlich bleiben.“ Sein Rat an das gottsuchende Volk „Suchet der Stadt Bestes“ (Jer 29,7), fordert auch heute dazu auf vor Ort Gutes zu tun. In der heutigen Tageslosung (ebenfalls Jeremia) wirbt der Prophet dafür, dabei das Herz in Gott festzumachen: „Du, Herr, du kennst mich, du siehst mich und prüfst, ob mein Herz bei dir ist.“ (Jer 12,3) Zusammengefasst: Hände, die Gutes Tun, ein Herz bei Gott und mit beiden Füßen in der Welt. Das kann sicher heute eine Richtschnur für christliches Leben sein. Ob es als Antwort „zufrieden“ stellt, lasse ich „dahin“ gestellt.