Evangelische Johannes-Kirchengemeinde Lüdenscheid
Andachten und Gottesdienste
In der Zeit, in der unsere Kirche geschlossen bleibt und keine Veranstaltungen stattfinden können, bieten wir Ihnen hier tägliche kleine Andachten und auch Gottesdienste, teils als Video, teils als Text, an. Wählen sie den Beitrag zum Tag auf der linken Seite aus, der dann rechts angezeigt wird.
Bleiben Sie behütet und gesund!
mbba: Gestern bin ich auf einen Artikel aus der UK [Unsere Kirche] Nr. 8/2009 gestoßen, den ich mir damals ausgeschnitten hatte. Darin wird Jim Wallis (Washington), der Leiter der links-evangelikalen US-Kommunität Sojourners, zitiert, der in der damaligen Wirtschaftskrise sogar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gesprochen hatte. Er sagte damals, die Krise habe nicht nur wirtschaftliche, sondern auch geistliche Ursachen: „Wir haben einige Dinge verloren und vergessen – nämlich unsere Werte.“ Die Weltwirtschaft habe sieben Sünden begangen, nämlich „eine Politik ohne Prinzipien, Wohlstand ohne Arbeit, Handel ohne Moral, Vergnügen ohne Gewissen, Erziehung ohne Charakter, Wissenschaft ohne Menschlichkeit sowie Gottesdienst ohne Opfer.“ Jetzt, zwölf Jahre später, haben wir wieder eine große Wirtschaftskrise. Was meinst Du: Passt es, die gerade zitierten Thesen in unser Gespräch aufzunehmen?

mi: Um eine gute Linie zu finden, ist es hilfreich eine Sache von vielen Seiten zu beleuchten. Auch in die gegenwärtige Diskussion „Wie viel Öffnung ist richtig?“ bringen ja die unterschiedlichen Seiten ihre Anliegen in die Diskussion ein: Wirtschaft, Virologen, Kirchen, Kulturschaffende, Gaststättenverbände... Um nach bestem Wissen und Gewissen eine Entscheidung zu treffen, muss man erst mal allen Seiten zuhören und sie ins Gespräch miteinander bringen – das ist ja auch der Ansatz von Klaus Schwab, der das Weltwirtschaftsforum in Davos gegründet hat. Wie schön, dass dort auch Raum für eine links-evangelikale Stimme ist – nicht als alleinige Wahrheit, sondern als Stimme im Diskurs.

mbba: Schön, dass Du den Namen von Klaus Martin Schwab erwähnst, der – in dem Bemühen um eine bessere Welt – etwas in Bewegung gesetzt hat. Auch wenn er damit nicht nur auf Zustimmung, sondern oftmals auf sehr heftige Kritik gestoßen ist. Das macht sein Anliegen, aber auch das der Kritiker spannend.

mi: Unterschiedliche Ansichten und Kritik gibt es ja nicht nur in Davos, sondern auch in Lüdenscheid am Küchentisch. Wenn ich den anderen nicht verstehe, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er mich auch nicht versteht. Paulus schreibt dazu, „dass niemand höher von sich denken soll, als sich‘s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich denke“ (Röm 12,3). Daran schließt sich im Römerbrief das bekannte Bild vom einen Leib an, der aus vielen Gliedern besteht (Röm 12,4). Es sagt: Deine Fähigkeiten sind begrenzt, aber wichtig. Genauso ist auch deine Sicht der Dinge begrenzt, aber wichtig. Dies ernst zu nehmen, heißt für mich: einander zuhören, sich mit der eigenen Meinung nicht unterkriegen lassen und trotz aller Unterschiede eine gemeinsame Lösungen finden. Damit kommen wir – im Großen, wie im Kleinen – weiter; übrigens auch in Glaubensfragen.