Evangelische Johannes-Kirchengemeinde Lüdenscheid
Andachten und Gottesdienste
In der Zeit, in der unsere Kirche geschlossen bleibt und keine Veranstaltungen stattfinden können, bieten wir Ihnen hier tägliche kleine Andachten und auch Gottesdienste, teils als Video, teils als Text, an. Wählen sie den Beitrag zum Tag auf der linken Seite aus, der dann rechts angezeigt wird.
Bleiben Sie behütet und gesund!
Die heutige Tageslosung stammt aus meinem Lieblingsbuch der Bibel, dem Predigerbuch, auch „Prediger Salomo“, oder „Kohelet“ genannt:

„Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.“ - Pred 9,10.

Wenn man das Predigerbuch liest, gewinnt man den Eindruck eines sich scheinbar immer wieder selbst widersprechenden Werks. Manche Verse feiern das Leben, andere klingen nach Trübsal und Selbstaufgabe. Fröhliches und Trauriges steht hier oft unvermittelt nebeneinander, wie zum Beispiel auch in dem recht bekannten Gedicht „Ein jegliches hat seine Zeit...“ aus dem dritten Kapitel Der Autor des Predigerbuchs berichtet von Höhen und Tiefen und den Grenzen menschlicher Erkenntnis. Was er beschreibt, ist sozusagen: das volle Leben.
Auch im neunten Kapitel treffen diese gegenläufigen Sichtweisen aufeinander. „Iss dein Brot mit Freuden und trink deinen Wein mit gutem Mut“, fordert er noch in Vers 7, bevor es schon wenig später heißt: „wie die Fische gefangen werden mit dem verderblichen Netz und wie die Vögel mit dem Garn gefangen werden, so werden auch die Menschen verstrickt zur bösen Zeit, wenn sie plötzlich über sie fällt.“ (Vers 12) Und beinahe resigniert klingt das knappe Fazit des Kapitels: „ein einziger Bösewicht verdirbt viel Gutes.“ (Vers 18)
Das Predigerbuch ist analytisch – es stellt fest, ohne anzuklagen. Es beschreibt, ohne zu verurteilen. Und doch hat es immer wieder auch Ideen parat, wie man damit umgehen kann, dass Leben sich im einen Moment „himmelhochjauchzend“ und im anderen Moment „zu Tode betrübt“ anfühlt. Eine dieser Ideen ist die heutige Tageslosung: „Was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.“ Es sind unterschiedliche Aufgaben, die verschiedene Tage und verschiedene Lebensphasen mit sich bringen. Es ist auch unterschiedlich viel Kraft, die an verschiedenen Tagen und in verschiedenen Abschnitten des Lebens zur Verfügung steht. Manchmal wundert man sich, wie viel man geschafft hat. Und manchmal wundert man sich, wie wenig... „Was du mit deiner Kraft tun kannst, das tu.“ Manchmal viel, manchmal wenig; manchmal das Leben feiern, manchmal Trübsal blasen. Kraft ist nicht immer gleich. Leben ist nicht immer gleich. So ist es. Und so darf es auch sein! Für das, was Ihnen heute „vor die Hände kommt“, möge Gott Ihnen genug Kraft geben!

Viele liebe Grüße
Ihr Michael Siol